astrologie_ist_einfach

Astrologische Häusersysteme

Wissenswertes über die verschiedenen Häusersysteme: Woher sie kommen, wie sie aufgebaut sind und welche Bedeutung sie haben.

Die Bedeutung der Häuser für die Astrologie

Im Mittelpunkt des Horoskops befindet sich der Mensch, über und unter ihm spannt sich das Rund des Himmels auf. Aufgrund der Rotation der Erde um ihre eigene Achse verändert sich fortwährend die Perspektive auf diesen Himmelsraum von einem bestimmten Ort aus gesehen: einmal in 24 Stunden dreht sich der ganze Himmel um uns. Aber auch zu einem gleichen Zeitpunkt sehen die Menschen an unterschiedlichen Orten unterschiedliche Ausschnitte des gleichen Himmels.

Jeder Mensch erlebt ein und denselben Himmel bis zu einem bestimmten Grad anders, je nachdem wann und wo er ihn betrachtet. Der Raum, welcher den Menschen dabei umspannt, wird in sechs fixe Orientierungspunkte unterteilt: die Himmelsrichtungen Norden, Süden, Osten und Westen, welche das Rund des Horizonts beschreiben, sowie der Zenit (jener Punkt genau über dem Kopf des Beobachters) und der gegenüberliegende Nadir am Fußpunkt des Himmelsraumes unter dem Horizont, die mit dem Nord- und Südpunkt verbunden werden und den Meridiankreis ergeben. Sie bilden das Koordinatensystem, in dessen Mitte der Mensch eingebettet ist. Egal an welchem Ort sich ein Mensch nun befindet – er wird dieses Muster um sich herum mitführen.

In der Astrologie geht man davon aus, daß das Himmelsraummuster zum Zeitpunkt und am Ort der Geburt eine besondere Bedeutung für den Menschen besitzt. Da es für jeden Menschen anders ist, weil sich der Himmel ständig verändert, gilt es als besonders individuell zu bewertender Faktor und findet seinen Niederschlag in der Aufteilung des Himmels in die Häuser oder Felder. Diese gliedern nun den Himmelsraum in zwölf gleich große Abschnitte, welche es ermöglichen einen Planeten nicht nur in der kollektiv für alle identischen Stellung im Tierkreis zu betrachten (z.B. Mars in Stier), sondern auch in seiner spezifischen Position im persönlichen Himmelsraummuster eines individuellen Menschen (z.B. Mars in [8] etc.).

Mit dem Häuserkreis also wird das Horoskop erst zu einem individuellen Symbol, und deshalb sind sie von unbestreitbar herausragender Wichtigkeit für die Deutung.

Worin man sich (un)einig ist

Nun müssen die genannten sechs Raumpunkte auf irgendeine Weise mit dem Tierkreis in Verbindung gebracht werden, sprich: mit der Ekliptik. Der Horizontkreis und der Meridiankreis schneiden die Ekliptik in der Regel an vier Stellen:

  • Am östlichen Horizont als Aszendent
  • Am westlichen Horizont als Deszendent
  • Den Meridiankreis zwischen Zenit und Südpunkt als Medium Cœli
  • Den Meridiankreis zwischen Nadir und Nordpunkt als Imum Cœli

Über diese vier Punkt herrscht allgemeine Verständigung in der Astrologie: sie bilden die Anfänge der vier Quadranten des Häuserkreises – Aszendent als Hausspitze [1], Imum Cœli als [4], Deszendent als [7] und Medium Cœli als [10] (Ausnahmen sind das äquale System und das System nach Vehlow).

Schwierigkeiten gibt es erst bei der Ermittlung der Zwischenhäuser, also der Achsen [2]/[8], [3]/[9], [5]/[11] und [6]/[12], denn es gibt unterschiedliche Ansätze, den Himmelsraum zwischen den vier feststehenden Schnittpunkten gleichmäßig zu teilen und dann auf den Tierkreis zu projizieren (wodurch sich – außer bei der äqualen Manier – die teils erhebliche Verzerrung der Häuser im Verhältnis zur Ekliptik ergibt: der Tierkreis liegt zumeist schief im Himmelsraum, so daß bei der zweidimensionalen Darstellung einer Horoskopgrafik entweder der Häuserkreis oder der Tierkreis verzerrt dargestellt werden muß. Es ist bei uns üblich, den Tierkreis “unversehrt” und dafür den Häuserkreis “leiden” zu lassen – im englischsprachigen Raum ist es umgekehrt).

Man unterscheidet dabei ekliptikale, Raum- und Zeitsysteme:

Ekliptikale Systeme

Die Häuserspitzen ergeben sich unmittelbar aus der Teilung der Ekliptik (= Tierkreis). Die ekliptikalen Systeme sind dem Grundgedanken, daß sich alle Astrologie aus dem Verhältnis von Tierkreis und Planeten ableiten sollte, am nächsten. Außer dem Aszendenten, welcher der reale Schnittpunkt zwischen der Ekliptik und dem östlichen Horizont darstellt, bilden sie keine Hausspitzen, die sich auf die Anschauung am Himmel beziehen: sie sind rein symbolischer Natur.
Ekliptikale Systeme sind u.a.: die äquale Manier, das System nach Porphyrios, die M-Häuser und die Häuser nach Vehlow.

Raumsysteme

Grundlage ist der Raum der Himmelssphäre, welcher in gleich große Sektoren aufgeteilt wird, wobei es unterschiedliche Bezugskreise gibt. Die Häuserspitzen werden durch Schnittpunkte dieser räumlichen Sektoren mit der Ekliptik bestimmt. Die Raumsysteme betonen die Wichtigkeit des Raumes um den Geburtsort und die Beziehung der Planeten zu diesem Raum. Sie sind unserem Verständnis nach “echte” Häusersysteme, weil sie einen eigenständigen Bezugsrahmen darstellen und das Himmelsraummuster am Geburtsort am besten wiedergeben.
Zu den Raumsystemen gehören u.a.: das System nach Campanus, die rationale Manier nach Regiomontanus, das System nach Morinus.

Zeitsysteme

Grundlage ist die tägliche Rotation der Erde um ihre eigene Achse und der sich daraus ergebenden zeitlichen Abschnitte. Die Zeit, die eine Stelle der Ekliptik für eine komplette Rotation benötigt, wird in gleich große Abschnitte geteilt. Zeitsysteme betonen den zeitlichen Faktor und stehen damit der Idee von Prozessen und Entwicklungen am nächsten. Da in der Astrologie der Faktor Zeit an sich eine sehr große Rolle spielt, kommt ihnen in dieser Hinsicht eine herausragende Bedeutung zu.
Zeitsysteme sind u.a.: das System nach Alcibitius, das System nach Placidus, das Geburtsorthäusersystem, kurz: GOHS oder auch “Koch”-Häuser genannt, das topozentrische Häusersystem.

Der Häuserstreit

Welches System ist nun das richtige? Darüber herrscht bei den Astrologen keine einhellige Meinung. Auch wenn bestimmte Systeme sich im Laufe der Zeit durchgesetzt haben, während andere in Vergessenheit geraten sind, heißt das noch lange nicht, daß die einen besser sind als die anderen. Die meisten Systeme sind mathematisch völlig korrekt und orientieren sich (mit Ausnahme des GOHS) an der Anschauung des Himmels zum Zeitpunkt und am Ort der Geburt – bewegen sich als entlang des Grundgedankens aller Astrologie. Manche Astrologen schwören auf ein System, andere behaupten, daß man für bestimmte astrologische Aufgaben dieses, für andere wiederum jenes Häusersystem verwenden sollte. Viele Astrologen lehnen bestimmte Systeme aus ideologischen Erwägungen ab, die meisten aber benutzen einfach das System, welches sie als erstes kennengelernt haben oder sogar welches ihr Computerprogramm als Grundeinstellung aufweist.

Placidus

Zeitsystem
Entwickelt im 17. Jahrhundert vom italienischen Mönch und Mathematiker Placidus de Titi.

Technik
Jede Stelle der Ekliptik (des Tierkreises) beschreibt einen eigenen sogenannten Tagbogen von seinem Aufgang im Osten bis zu seinem Untergang im Westen am Himmel. Nun wird für jeden Tierkreisgrad zu einem bestimmten Zeitpunkt und an einem bestimmten Ort bestimmt, wie viel seiner täglichen Strecke er bereits zurückgelegt hat: diejenige Stelle, die gerade die Hälfte ihres Weges zurückgelegt hat (also den Meridian passiert) ist das Medium Cœli. Der Grad, welcher gerade 1/3 seines Weges zurückgelegt hat, bestimmt die Spitze von [12], ein anderer, welcher 2/3 zurückgelegt hat, die Spitze von [11] usw.

Einschätzung
Das gegenwärtig meist verwendete Häusersystem. Probleme gibt es bei der Berechnung an Orten, an denen ein Tierkreisgrad nicht Aszendent sein kann (in extremen nördlichen und südlichen Breiten). Die Idee, welche Placidus mit der Entwicklung dieses Häusersystems verfolgte, basiert auf dem Gedanken, daß Leben Bewegung ist und sich dieses Leben stufenweise entwickelt. So sah es Placidus für notwendig, nicht einfach den Raum um den Geburtsort geometrisch zu teilen (wie Regiomontanus oder Campanus), sondern die Bewegung der Sterne selbst.

Erläuterung zum Beispielhoroskop
Zum Zeitpunkt und am Ort der Geburt hat die Tierkreisstelle 7°46′ Zwillinge gerade 3/6 ( = 1/2, also die Hälfte) ihres Tagbogens (vom Aufgang im Osten bis zum Untergang im Westen) zurückgelegt. Die Stelle 17°41 Löwe legte erst 1/6 ihres Weges und bildet die Spitze von [12]. 15°34′ Krebs hat bereits 2/6 (= 1/3) ihres Weges zurückgelegt und nimmt daher die Position von Spitze [11] ein usw.

GOHS (Koch)

Zeitsystem
Geburtsorthäusersystem” nach Dr. Walter Koch, der es 1971 publizierte, daher fälschlich “Koch”-Häuser. Entwickelt wurde es jedoch von Specht/Zanziger.

Technik
Das GOHS bezieht sich auf das Medium Cœli zu einem Zeitpunkt der Geburt. Nun wird – vereinfacht ausgedrückt – die Zeit zurückgedreht, bis der Tierkreisgrad, welcher im Horoskop die Himmelsmitte bildete, zum Aszendenten wird. Diese zeitliche Distanz wird gedrittelt, und so erhalten wir die Hausspitzen von [12] und [11] aus den jeweiligen Aszendenten (siehe Abbildung 44). Für die Hausspitzen [2] und [3] wird entsprechend mit der Distanz zum Imum Cœli verfahren. Anders ausgedrückt: die Spitze von [12] ist jene Stelle der Ekliptik, welche ein Drittel der Strecke zurücklegte, seitdem der Tierkreisgrad des Medium Cœli als Aszendent aufgegangen war. Die Spitze von [11] entsprechend diejenige die zwei Drittel dieser Strecke.

Einschätzung
Das GOHS versagt oft völlig bei geographischen Breiten höher als 66,5°. Zudem: Wenn wir davon ausgehen, daß ein Horoskop die Abbildung des Himmels zu einem bestimmten Zeitpunkt und an einem bestimmten Ort ist, und sich in diesem speziellen Augenblick die Zeitqualität offenbart, ist es fraglich, warum man Häuserspitzen heranziehen sollte, die sich definitiv vor dem Zeitpunkt der Geburt gebildet haben. So gesehen verstößt es gegen eine der grundlegenden Voraussetzungen astrologischen Denkens. Ungeachtet dessen hat sich das GOHS zu einem der beliebtesten Häusersysteme entwickelt.

Erläuterung zum Beispielhoroskop
Zum Zeitpunkt der Geburt befindet sich das Medium Cœli auf 7°46′ Zwillinge: Nun wird zurückgerechnet, wie viel Zeit seit dem Aufgang dieser Tierkreisstelle als Aszendent verstrichen ist, als also der Aszendent auf 7°46′ Zwillinge stand: dies war etwa um 14:05 der Fall – die Differenz beträgt also etwa 8h 2m. Dieser Zeitraum wird gedrittelt: ca. 2h 40m. Zieht man 1/3 der Zeit von der eigentlichen Geburtszeit ab, erhält man den Aszendenten 15°26′ Löwe, der in unserem Horoskop nun die Spitze von [12] bildet (22:08 – 2h 40m = 19:28). Zieht man 2/3 der verstrichenen Zeit ab und berechnet den Aszendenten, erhält man mit 16°26′ Krebs die Spitze von [11] (22:08 – 5h 20m = 16:48) usf.

Äquale Manier

Ekliptikales System
Eines der ältesten bekannten Häusersysteme, welche vermutlich bis in die Zeit der ägyptischen Astrologie zurückreicht.

Technik
Die Ekliptik (=Tierkreis) wird mit dem Aszendenten beginnend in zwölf gleich große Abschnitte zu je 30° geteilt: alle Häuserspitzen liegen also auf ein und derselben Gradzahl.

Einschätzung
Dieses Häusersystem findet heute immer mehr Anhänger, auch aufgrund der Einfachheit seiner Berechnung (man muß nur noch den Aszendenten berechnen) und seiner gedanklichen Nähe zum Tierkreis als Grundstruktur der Astrologie überhaupt. Das Medium Cœli ist hier jedoch fast immer nicht identisch mit der Spitze von [10] – es wird als ein besonderer sensitiver Punkt behandelt. Viele Astrologen lehnen diese Technik jedoch genau aus diesem Grunde ab, weil hier der Horizont (verkörpert durch den Aszendenten) gegenüber dem Zenit (vertreten durch das Medium Cœli) überbetont werde, damit die horizontale Ausrichtung wichtiger genommen werde als die vertikale.

Regiomontanus

Raumsystem
Auch “rationale Manier” genannt. Entwickelt von Johannes Müller alias Regiomontanus, Mathematiker und Professor für Astronomie in Wien.

Technik
Der Himmelsäquator – die Projektion des Erdäquators auf die Himmelskugel (vgl. Abbildung 42) – wird in zwölf gleich große Segmente geteilt. Es werden nun für den Geburtsort vom Südpunkt bis zum Nordpunkt Linien über den Himmel gezogen, die alle auch durch die Grenzpunkte jener Segmente auf dem Äquator zusammenfallen. Dort, wo diese Linien schließlich die Ekliptik (=Tierkreis) schneiden, entstehen die Häuserspitzen.

Einschätzung
Die “rationale Manier” wurde besonders in der Blütezeit der klassischen Astrologie vom 15. Bis ins 17. Jahrhundert hinein favorisiert. Heute wird sie jedoch kaum noch verwendet.

Campanus

Raumsystem
Eingeführt von Johannes Campanus, Mathematiker und Kaplan bei Papst Urban IV. im 13. Jahrhundert.

Technik
In diesem System wird wie bei Regiomontanus der Himmelsraum um den Geburtsort in zwölf gleich große Segmente geteilt – doch dient nicht der Äquator als Bezugskreis, sondern der sogenannte Erste Vertikal – jener Großkreis, der sich vom Ostpunkt über Zenit und Nadir bis zum Westpunkt erstreckt (vgl. Abbildung 42). Dieser Kreis wird in besagte zwölf Segmente gegliedert, deren Grenzpunkte wieder mit dem Nord- und Südpunkt verbunden werden. Die Schnittpunkte der sich so ergebenden Linien mit der Ekliptik (= Tierkreis) werden zu Häuserspitzen.

Einschätzung
Campanus war der erste, welcher dem Raum um den Geburtsort eine eigenständige Funktion zugestand und schuf mit seinem Häusersystem einen Präzedenzfall: denn von nun an waren die Häuser in einem Horoskop etwas völlig eigenständiges und nicht mehr von der Ekliptik abhängiges – sie wurden lediglich auf sie projiziert. Das Campanus-System wurde und wird von vielen Astrologen als das einzig stimmige betrachtet.

Antikes Häusersystem nach Vehlow

Ekliptikales System
Entwickelt von Johannes Vehlow (1890 bis 1958).

Technik
Grundlage ist die äquale Manier. Hier wird jedoch der Aszendent zum Mittelpunkt des ersten Hauses, d.h. die Spitze von [1] liegt genau 15° vor dem eigentlichen Aszendenten. Von dieser Hausspitze ausgehend werden in 30°-Schritten die Häuserspitzen bestimmt.

Einschätzung
Nicht mehr nur das Medium Cœli verschwindet als Häuserspitze, sondern auch der Aszendent. Das Häusersystem nach Vehlow basiert auf dem Gedanken, daß die Mitte eines Hauses die stärkste “Aufladung” im Sinne des Häuserthemas haben müsse. Tatsächlich hat dieser Gedanke in der Antike seine Vorläufer: Vor der Etablierung des Zwölfhäusersystems (Dodekatopos) durch die Griechen, verwandte man ein Achthäusersystem (Octotopos), bei dem Aszendent und Medium Cœli, die Mitte der Häuser bildeten. Ebenso wie die äquale Manier werden die Häuser jedoch nicht mehr als tatsächliche Bezugsebenen am Himmel gefunden, sondern sind rein symbolischer Natur.

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